Du kannst dich noch so oft dehnen und trotzdem das Gefühl haben, dass dein Körper festhält.
Der Nacken bleibt angespannt. Der Atem flach. Der Rücken reagiert empfindlich. Und selbst in ruhigen Yogastunden fällt es manchen Menschen schwer, wirklich loszulassen. Nicht weil sie „unbeweglich“ sind. Sondern weil ihr Nervensystem gelernt hat, wachsam zu bleiben.
Viele Menschen versuchen heute, ihren Körper über Intensität zu verändern. Mehr Dehnung. Mehr Mobilität. Mehr Technik. Doch der Körper funktioniert nicht wie eine Maschine, die man einfach korrigieren kann. Ein Körper, der sich nicht sicher fühlt, hält fest.
Genau hier setzt Somatic Yoga an. Nicht über Leistung oder äußere Form, sondern über Wahrnehmung, Regulation und die Fähigkeit des Körpers, sich von innen heraus neu zu organisieren.
Im Zentrum steht dabei nicht die Frage: „Wie komme ich tiefer in eine Haltung?“ Sondern vielmehr: „Was passiert eigentlich gerade in mir?“
Was ist Somatic Yoga?
Somatic Yoga verbindet Yoga mit moderner Nervensystemarbeit und somatischer Körperwahrnehmung.
Der Begriff „somatisch“ bedeutet dabei so viel wie „den Körper von innen erleben“. Es geht also nicht darum, wie eine Haltung von außen aussieht, sondern darum, wie sie sich im eigenen Körper anfühlt.
Im klassischen Yoga liegt der Fokus häufig auf Ausrichtung, Form und Technik. Im Somatic Yoga verschiebt sich die Aufmerksamkeit nach innen. Kleine Bewegungen, feine Übergänge, bewusster Atem und das Wahrnehmen innerer Reaktionen werden wichtiger als Perfektion.
Die Praxis wird langsamer. Präziser. Wahrnehmungsorientierter.
Dabei entsteht oft etwas Überraschendes: Der Körper beginnt nicht durch Druck loszulassen, sondern durch Sicherheit.
Warum das Nervensystem so wichtig ist
Viele Spannungen sind nicht einfach „verkürzte Muskeln“.
Oft reagiert der Körper auf Dauerstress, innere Anspannung oder permanente Reizüberflutung. Das Nervensystem bleibt in Alarmbereitschaft und der Körper hält Spannung fest, obwohl wir eigentlich entspannen möchten.
Vielleicht kennst du das auch aus dem Alltag:
Du sitzt endlich auf dem Sofa und merkst trotzdem, dass deine Schultern oben sind.
Oder du gehst in eine ruhige Yogastunde und bemerkst plötzlich, wie unruhig du innerlich eigentlich bist.
Der Körper lässt nicht los, nur weil wir ihm sagen, dass jetzt Entspannung angesagt ist.
Aus neurophysiologischer Sicht entsteht Veränderung erst dann, wenn das Nervensystem genügend Sicherheit wahrnimmt. Erst dann kann der Körper beginnen, Spannung zu reduzieren und neue Bewegungsmuster zuzulassen.
Im Somatic Yoga wird deshalb mit langsamen Bewegungen, bewusster Aufmerksamkeit und reduzierten Reizen gearbeitet. Der Körper bekommt Zeit. Das Nervensystem bekommt Orientierung.
Dieser Ansatz steht auch in Verbindung mit der Polyvagal Theory. Vereinfacht gesagt beschreibt sie, wie sehr unser Gefühl von Sicherheit beeinflusst, ob wir entspannen, verbinden und wahrnehmen können oder ob der Körper in Anspannung bleibt.
Das bedeutet nicht, dass Somatic Yoga „Therapie“ ersetzen soll. Aber die Praxis kann Bedingungen schaffen, unter denen Regulation wieder möglich wird.
Faszien, Körperwahrnehmung und die Sprache des Körpers
Auch die Faszien spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Heute weiß man, dass Faszien weit mehr sind als bloßes Bindegewebe. Sie sind reich an Rezeptoren und eng mit dem Nervensystem verbunden. Sie reagieren auf Stress, Bewegungsmangel, Überforderung und emotionale Belastung.
Im Somatic Yoga geht es deshalb nicht darum, möglichst intensiv zu dehnen. Entscheidend ist vielmehr die Qualität der Wahrnehmung.
Durch langsame Bewegungen und feine Anpassungen verbessert sich die Körperwahrnehmung. Der Körper beginnt, Unterschiede genauer zu spüren. Spannung wird differenzierter wahrgenommen und oft verändert sich dadurch bereits etwas im System.
Nicht Intensität führt hier zu Veränderung, sondern Präsenz.
Was ist der Unterschied zwischen Somatic Yoga und klassischem Yoga?
Natürlich gibt es auch im klassischen Yoga achtsame und körperorientierte Ansätze. Dennoch unterscheidet sich der Fokus häufig deutlich.
Im klassischen Yoga steht oft die äußere Form einer Haltung im Mittelpunkt. Im Somatic Yoga geht es stärker um das innere Erleben.
Statt: „Wie sollte die Haltung aussehen?“
entsteht eher die Frage:
„Wie fühlt sich diese Bewegung gerade in meinem Körper an?“
Im Somatic Yoga gibt es meist:
- weniger Leistungsdruck
- weniger Korrekturen
- mehr Eigenwahrnehmung
- langsamere Übergänge
- kleinere Bewegungen
- mehr Fokus auf Nervensystem und Regulation
Der Körper wird nicht „optimiert“, sondern besser verstanden.
René Hugs Ansatz. Somatic Yin Yoga
René Hug verbindet diesen somatischen Ansatz mit Yin Yoga, Faszienarbeit, Atembewusstsein und therapeutischer Körperarbeit.
Daraus entsteht sein eigener Zugang: Somatic Yin Yoga.
Die ruhigen Yin Yoga Positionen werden dabei nicht einfach passiv gehalten. Vielmehr entsteht ein feiner Dialog mit dem Körper. Kleine Bewegungen, minimale Anpassungen und bewusste Wahrnehmung verändern die Qualität der Praxis deutlich.
Der Fokus liegt nicht auf möglichst intensiver Dehnung, sondern darauf, wie der Körper auf Bewegung, Atem und Aufmerksamkeit reagiert.
Dabei fließen auch Einflüsse aus der Craniosacralen Arbeit, der Nervensystemregulation und moderner somatischer Körperarbeit mit ein.
Im Zentrum steht immer dieselbe Frage:
Was braucht der Körper, damit er sich sicher genug fühlt, loszulassen?
Für wen eignet sich Somatic Yoga?
Somatic Yoga kann besonders hilfreich sein für Menschen, die:
- sich häufig innerlich angespannt fühlen
- schlecht abschalten können
- unter Stress oder Erschöpfung leiden
- sich trotz Dehnen „fest“ fühlen
- eine sanfte, achtsame Praxis suchen
- sich wieder stärker mit ihrem Körper verbinden möchten
- sich von leistungsorientierten Yogastilen nicht angesprochen fühlen
Auch viele Menschen ab 40 oder 50 erleben diesen Zugang als wohltuend, weil nicht Leistung oder Beweglichkeit im Vordergrund stehen, sondern Körpergefühl, Regulation und Selbstwahrnehmung.
Wie läuft eine Somatic Yoga Stunde ab?
Eine Somatic Yoga Stunde wirkt oft ruhiger als viele klassische Yogastunden und gleichzeitig erstaunlich intensiv auf einer inneren Ebene.
Die Bewegungen sind meist langsam und bewusst. Häufig wird mit kleinen Übergängen, feinen Anpassungen, Atemwahrnehmung und längeren Positionen gearbeitet.
Es geht weniger darum, „etwas zu schaffen“, sondern darum, wahrzunehmen:
- Wie reagiert mein Körper?
- Wo halte ich fest?
- Was verändert sich, wenn ich langsamer werde?
- Wie fühlt sich Sicherheit in meinem Körper eigentlich an?
Viele Teilnehmer berichten nach der Praxis nicht nur von mehr Beweglichkeit, sondern vor allem von einem Gefühl innerer Ruhe, Erdung und Verbindung mit sich selbst.
Somatic Yoga mit René Hug
Wenn du diesen Ansatz selbst erfahren möchtest, findest du Online Yogastunden mit René mit René Hug
Die Stunden verbinden somatische Körperarbeit mit Yin Yoga, Nervensystemregulation, Faszienarbeit und bewusster Wahrnehmung. Langsam, präzise und mit viel Raum für eigene Erfahrung.
René Hug – Experte für Yin Yoga, Somatic Yoga und Nervensystemregulation
René Hug beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Yin Yoga, Faszienarbeit, somatischer Körperarbeit und der Verbindung zwischen Nervensystem und Bewegung.
In seine Arbeit fließen unter anderem Einflüsse aus dem Yin Yoga, der Craniosacralen Arbeit, der Polyvagal Theorie sowie modernen somatischen Ansätzen ein.
Mit seinem Ansatz des Somatic Yin Yoga verbindet er ruhige Yin Yoga Positionen mit bewusster Körperwahrnehmung, kleinen somatischen Bewegungen und einem tiefen Verständnis für Selbstregulation und innere Sicherheit.
René unterrichtet seit vielen Jahren Aus- und Weiterbildungen im deutschsprachigen Raum und begleitet Menschen dabei, den eigenen Körper wieder differenzierter wahrzunehmen und Bewegung nicht über Leistung, sondern über Regulation und Wahrnehmung zu erfahren.
Seine Ausbildungen und Online-Angebote finden in Schaffhausen, in Stuttgart sowie online statt.
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