Wie unser Bindegewebe Erfahrung, Bewegung und Spannung organisiert
Jeder Tag fühlt sich anders an. Mal ist der Körper geschmeidig, mal blockiert, mal empfindlicher als sonst. Diese Unterschiede entstehen nicht durch fehlende Technik. Sie entstehen durch den Tag, unsere Gedanken, Sorgen und Erfahrungen sowie durch die innere Verfassung unseres Nervensystems. Auch Stoffwechsel, Säure-Basen-Haushalt und Ernährung beeinflussen, wie wir uns spüren.
All das zusammen bestimmt, wie Faszien und Muskeln auf eine Haltung reagieren und welche Erfahrungen wir mit Faszienarbeit, mit Faszien Yoga sowie im Yin Yoga machen.
Faszien als lebendige Netzwerke
Wer sich fragt, was Faszien sind, denkt oft zuerst an Hüllen oder an etwas, das Muskeln umgibt. Doch Faszien sind weit mehr als das. Sie sind lebendige Gewebe, die Muskeln, Knochen, Gelenke und Organe miteinander verbinden. Sie nehmen wahr, halten Form, leiten Kraft weiter und geben dem Körper Orientierung im Raum.
Besonders bemerkenswert ist, dass Faszien reich an Sensoren sind. Sie registrieren Druck, Zug, Dauer, Tempo und innere Zustände. Deshalb reagieren Faszien nicht auf das, was wir glauben zu tun, sondern auf das, was tatsächlich im Körper geschieht.
Anatomisch bilden Faszien ein zusammenhängendes Netzwerk. Sie verbinden Muskelgruppen über ganze Ketten hinweg, die als myofasziale Ketten beschrieben werden. Auf diese Weise wird Kraft über den Körper verteilt, Bewegung koordiniert und selbst weit entfernte Bereiche beeinflussen sich gegenseitig.
Das Nervensystem steuert die Erfahrung der Faszien
Wie Faszien reagieren, wird maßgeblich vom Nervensystem bestimmt. Ein angespanntes Nervensystem kann Faszien enger halten lassen, selbst wenn wir uns in einer unterstützenden Haltung befinden. Ein ruhiger Zustand hingegen gibt dem Gewebe die Möglichkeit, sich zu ordnen und Spannung zu regulieren.
Deshalb kann sich derselbe Körper an einem Tag leicht und weit anfühlen und an einem anderen Tag fest und unruhig. Die Antwort liegt nicht in der Technik, sondern im inneren Zustand.
Faszien reagieren nicht auf Technik, sondern auf Kontext
Ein schneller, intensiver Reiz wird vom Gewebe nicht als Einladung gelesen, sondern als Anforderung. Die häufige Antwort darauf ist Spannung. Nicht als Fehler, sondern als Schutz.
Ein langsamer, gleichmäßiger Reiz hingegen gibt dem Gewebe Zeit, Informationen einzuordnen. Erst dann wird Veränderung möglich. Faszien verändern ihren Tonus nicht, weil sie gezogen oder gedehnt werden. Sie verändern ihn, wenn sie erfahren, dass Halten nicht nötig ist, dass nichts erzwungen wird und dass Selbstregulation möglich ist.
Auch die myofaszialen Ketten reagieren auf diese Weise. Spannung an einer Stelle kann über die Verbindungsketten wahrgenommen und allmählich reguliert werden.
Zeit, Rhythmus und Präsenz in der Faszienarbeit
Wenn wir Faszien ansprechen wollen, geht es nicht um Kraft oder Intensität. Es geht um Zeit, Rhythmus und sichere Bedingungen. Langsames Halten, sanfte Unterstützung und gleichmäßige Präsenz ermöglichen dem Gewebe, sich neu zu organisieren.
Diese Erfahrung braucht Dauer. Ein Gewebe, das über Jahre Spannung gehalten hat, verändert sich nicht sofort. Erst durch wiederholtes, geduldiges Praktizieren entsteht nachhaltige Regulation. Genau hier liegt auch der zentrale Ansatz von Faszien Yoga und insbesondere von Yin Yoga und Faszienarbeit.
Yin Yoga und Faszien bewusst erleben
In Yin Yoga und im Yin Faszien Yoga geht es nicht um ein Ziel, sondern um Beziehung zum Gewebe. Die Schwerkraft übernimmt die Arbeit. Unterstützung ersetzt Intensität. Der Atem darf sich entfalten oder autonom fließen.
Das Gewebe erfährt, dass Spannung nicht immer Schutz bedeutet und dass Bewegung, Form und Ruhe gleichzeitig möglich sind. Halten wird zu einer Einladung und nicht zu einer Forderung. Wer Faszien auf diese Weise erlebt, übt weniger gegen den Körper und mehr mit ihm.
Spannung als Antwort verstehen
Spannung ist keine Störung. Sie ist eine Antwort. Sie zeigt, wie Nervensystem, Faszien und der gesamte Körper auf das Leben reagieren. Wer beginnt, diese Sprache zu lesen, versteht, warum bestimmte Muster hartnäckig sind.
Wer diese Logik erkennt, erfährt, dass Üben weniger ein Tun und mehr ein Lauschen ist. Veränderung geschieht, weil sie ermöglicht wird und nicht, weil sie erzwungen wird.
Ein neuer Blick auf Praxis
Wenn wir Faszien auf diese Weise betrachten, verändert sich die gesamte Praxis. Wir verstehen, dass der Körper antwortet, dass Faszien mitdenken und dass Alltag, Nervensystem und innere Zustände den Tonus bestimmen.
Hilfsmittel wie Bolster, Decken oder Polster unterstützen diesen Prozess. Üben wird zu einer Partnerschaft mit dem Körper. Und genau hier beginnt die eigentliche Arbeit.
Über René Hug und seine Arbeit mit Faszien
René Hug unterrichtet Yin Yoga seit vielen Jahren mit einem klaren Schwerpunkt auf Faszien, Nervensystem und Regeneration. Seine Arbeit verbindet Yin Yoga mit fundiertem Wissen aus Osteopathie, Craniosacraler Therapie, Atemarbeit und Feldenkrais. Dadurch entsteht eine Praxis, die nicht nur entspannt, sondern in die Tiefe wirkt.
Im Yin Yoga reagieren besonders die Faszien auf langsame Dehnung, Zeit und achtsame Unterstützung. Die Haltungen werden ruhig, lange und mit Hilfsmitteln aufgebaut, sodass das Bindegewebe ohne Druck loslassen kann. Spannungen dürfen sich lösen, und das Nervensystem findet Schritt für Schritt zurück in einen regulierten Zustand.
Was Renés Stunden auszeichnet, ist die Verbindung aus anatomischer Klarheit und feiner Wahrnehmung. Er erklärt präzise, ohne zu überfrachten, und lässt zugleich viel Raum für eigenes Spüren.
Wenn du tiefer in diese Arbeit einsteigen möchtest, bietet René eine Yin Yoga Ausbildung in Schaffhausen und in Schorndorf/Nähe Stuttgart an.
Für deine Praxis: Yin Yoga für Faszien und Nervensystem
Wenn du Faszien nicht nur verstehen, sondern auch auf eine sichere und alltagstaugliche Weise erfahren möchtest, lohnt sich eine Yin Yogastunde mit René. Im Mittelpunkt stehen nicht Leistung oder Intensität, sondern Zeit, Präsenz und gute Unterstützung durch Hilfsmittel. So kann das Gewebe die Erfahrung machen, dass es nicht festhalten muss und dass Regulation möglich wird.



